Epidemiologie und Risikomuster von Sportverletzungen
Die positiven Wirkungen regelmäßiger sportlicher Betätigung sind unbestritten: Sport
wirkt präventiv bezüglich zahlreicher Erkrankungen und reduziert gesundheitliche Risikofaktoren
(wie etwa Adipositas und arterielle Hypertonie). Zu den unerwünschten Wirkungen sportlicher Betätigung
zählen Sportverletzungen. In einer bundesweiten Studie haben wir bundesweit repräsentative Inzidenzraten
für Sportverletzungen, Daten zu Schwere, Art und Lokalisation solcher Verletzungen ermittelt und
Hochrechnungen zu Verletztenzahlen für die erwachsene Gesamtbevölkerung berechnet:
3,1% der erwachsenen Deutschen haben sich innerhalb des letzten Jahres beim Sport verletzt. Damit stellen
Sportverletzungen nach Haushaltsunfällen (3,7%) zusammen mit Arbeitsunfällen (3,1%) den zweithäufigsten
Unfallort dar. Unfälle in Straßenverkehr und auf dem Gehweg kommen bei Inzidenzraten von 1,8%
und 0,8% deutlich seltener vor. Zieht man als Basis ausschließlich aktive Sportler heran, ergibt
sich eine jährliche Verletzungsrate von 5,6%. 62% aller Sportverletzungen führen zu einer Arbeitsunfähigkeit.
Für ein Drittel aller Fälle beträgt die Arbeitsunfähigkeit maximal eine Woche, für
ein weiteres Drittel maximal zwei Wochen. Lediglich in 3% aller Fälle einer Arbeitsunfähigkeit
dauert diese länger als 90 Tage an. Im Vergleich zu anderen Unfällen führen Sportverletzungen
seltener zu einer Arbeitsunfähigkeit: Nach Arbeitsunfällen fehlen die Befragten zu 82%, nach
Unfällen auf dem Gehweg zu 71% und nach Verkehrsunfällen zu 67%. Haushaltsunfälle scheinen
dagegen weniger schwerwiegend zu verlaufen: 56% der Opfer von Unfällen in Haushalt oder häuslicher
Umgebung geben an, danach unfähig zu sein, der Erwerbsarbeit (oder der üblichen häuslichen
Tätigkeit) nachzugehen.
Die hier wiedergegebene Abbildung veranschaulicht die relativen Häufigkeiten nach Art und Lokalisation
der Verletzungen.
Insgesamt lässt sich aus dem Bundesgesundheitssurvey eine Zahl von pro Jahr rund 2 Mio. Sportverletzungen
schätzen. Junge Männer stellen die mit Abstand bedeutsamste Risikogruppe für Sportverletzungen
dar. Künftige Maßnahmen und Interventionen zur Verletzungsprävention sollten unseres Erachtens
vor allem diese risikobelastete Gruppe männlicher, junger Sportler fokussieren.
Unsere Forschungsergebnisse wurden von zahlreichen Zeitungen und Publikumszeitschriften aufgegriffen.
Weitere Informationen unter:
Schneider S, Schmitt H, Tönges S, Seither B (2006) Sports Injuries: Population-Based Representative
Data on Incidence, Diagnosis, Sequelae and High-Risk Groups. Br J Sport Med 40: 334-339
Schneider S, Seither B, Schmitt H (2006) Epidemiology and Risk Factors of Sports Injuries: Multivariate
Analyses Using German National Data. Int J Spo Med, 28:247-252

Abbildung: Diagnosen und Lokalisation von Sportverletzungen
---- Informationen für englischsprachige Besucher: English Summary of the Study: ---
SPORTS INJURIES: POPULATION-BASED REPRESENTATIVE DATA ON INCIDENCE, DIAGNOSIS, SEQUELAE AND HIGH-RISK
GROUPS
Objective: The purpose of this paper is to generate national representative data on the incidence, diagnosis,
severity and nature of medically treated sports injuries and to identify risk groups.
Material and methods: The "First National Health Survey for the Federal Republic of Germany",
conducted in the format of a standardized written cross-sectional survey in the period from October 1997
to March 1999, gathered data on the incidence of accident and injury and information on social demographics,
injury-related disability/time off work, and injury location/setting. The net sample comprised 7,124 people
aged 18 to 79.
Results: 3.1% of adult Germans said they sustained a sports injury during the past year, corresponding
to an annual injury rate of 5.6% among those engaging in regular recreational physical activity and ranking
sports injuries as the second most frequent type of accident. 62% of all sports injuries result in time
taken off work. The period of occupational disability is 14 days or less in around two-thirds of these
cases. The occupational disability rate after occupational and traffic accidents is much higher by comparison.
60% of all sports injuries are dislocations, distortions, and or torn ligaments, followed by fractures
(18%), contusions, surface wounds or open wounds (12%). Three out of four sports injury casualties are
male. The incidence declines markedly in higher age groups.
Conclusions: Future injury prevention measures should focus on the high-risk group of young male recreational
athletes. Our data indicates that the fear of damage to health and injury believed to be significant internal
psychological barriers to participation in sports is largely unwarranted for females and /or older age
groups. Sporting injuries are a marginal phenomenon among the female population and mobile seniors actively
engaged in sports.