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Sport contra Schmerz

Spezifischer und unspezifischer Rückenschmerz stellt nicht nur hier zu Lande das gravierendste Schmerzproblem unserer Zeit dar. In westlichen Industrienationen beträgt die Lebenszeit-Prävalenz für Rückenschmerz zwischen 55% und 85%, die Punkt-Prävalenz zwischen 20% und 40%. Körperliche Bewegung gilt hinsichtlich des Rückenschmerzes als ein idealer niederschwelliger Präventionsansatz. Sich körperlich, also sportlich, zu betätigen ist kostengünstig, zeitlich und örtlich flexibel umzusetzen, bedingt bei adäquater Wahl der Sportart geringe koordinative und konditionelle Voraussetzungen und hat über die Schmerzprävention hinaus weit reichende salutogene Wirkungen. Doch ist die Wirkung körperlicher Aktivität am Arbeitsplatz mit ebensolcher in der Freizeit gleichzusetzen?
In einer epidemiologischen Schmerzstudie konnte unsere Forschungsgruppe zusammen mit Orthopäden und Sportmedizinern belegen, dass körperliche Bewegung am Arbeitsplatz und in der Freizeit nicht gleichgesetzt werden darf, sondern beide Faktoren oft eine entgegengesetzte Wirkung zeigen: So belegen unsere Daten, dass eine manuelle, körperliche Berufstätigkeit kein Surrogat für ausgleichenden Freizeitsport darstellt, sondern körperlich anstrengende Arbeitsinhalte selbst einen signifikanten Risikofaktor für Rückenschmerz darstellen. Gerade die in dieser Studie von uns identifizierte Hochrisikogruppe manueller Schwerarbeiter argumentiert nach unserer Erfahrung u.a. gegenüber dem behandelnden Arzt gerne, „man könne sich nach einen anstrengenden Arbeitstag ein passives Freizeitverhalten leisten, da man sich während des Arbeitstages ohnehin bereits genug bewegt habe“. Unsere Daten liefern Argumente, dieser Logik zu widersprechen und für ausgleichenden Freizeitsport zu plädieren, was gerade gegenüber besagten Sozialgruppen eine Herausforderung in der Prävention darstellt.
Näheres ist nachzulesen unter:

Schneider S, Zoller S (2006) Körperliche Bewegung – Gut für den Rücken? Eine bundesweite Repräsentativstudie zur unterschiedlichen Wirkung körperlicher Aktivität am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Bewegungstherapie u. Gesundheitssport 23:226-230

Abbildung 1: Rückenschmerz-Prävalenz für die Bundesrepublik Deutschland nach beruflicher Stellung und Geschlecht (Eigene Berechnungen, Daten nach: Erster Bundesgesundheitssuvey, n=3.488)



 
 
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