Risikofaktoren des RückenschmerzesUnbestritten ist Rückenschmerz das gravierendste Schmerzproblem unserer Zeit. In westlichen Industrienationen
beträgt die Lebenszeit-Prävalenz für Rückenschmerz zwischen 58% und 85%, die Punkt-Prävalenz
zwischen 20% und 40%. Deswegen haben wir uns in mehreren Arbeiten diesem Thema, und insbesondere den Risikofaktoren
des Rückenschmerzes angenommen: Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass die Rückenschmerzprävalenz
im mittlerem Alter ein Maximum aufweist und in höherem Alter wieder etwas niedriger liegt. In klinischen Studien
liegt dieser Peak bei rund 40 Jahren, in epidemiologischen Studien bei etwa 50 Jahren. Als Gründe für eine
im Alter abnehmende Beschwerdehäufigkeit werden neben dem besagten „Healthy-Worker-Effekt“ höhere
Schmerztoleranz sowie bessere Delegationsmöglichkeiten rückenbelastender Tätigkeiten angeführt.
Des Weiteren ist bekannt, dass einige Lebensstilaspekte wie Sport, soziale Kontakte und gesundes Ernährungsverhalten
negativ altersabhängig sind. Unsere Untersuchungen an bundesdeutschen Arbeitnehmern belegen dieses Prävalenzmuster
ebenfalls: Auch in unserem Kollektiv klagen 50-59jährige angesichts einer 7-Tages-Prävalenz von 41% am häufigsten über
Rückenschmerzen. Unter Konstanthaltung von Berufs- und Lebensstiländerungen verringert sich der Alterseffekt
unter die Signifikanzschwelle. Dies legt nahe, dass der Alterseffekt tatsächlich auf den angeführten alterassoziierten
Berufs- und Lebensstiländerungen basiert. Die Bedeutung sozialer Unterstützung – hier operationalisiert über den Familienstand und sonstige Bezugspersonen – für
das Auftreten von Rückenschmerzen ist kaum untersucht. Hypothetisch ist zum einen denkbar, dass überfürsorgliche
(overprotecting) Partner und Bezugspersonen im Sinne sozialen oder operanten Lernens die Schmerzwahrnehmung fördern
können (z.B. in sog. „Schmerzfamilien“). Andererseits kann fehlende soziale Unterstützung als
Stressor wirken und die Schmerzwahrnehmung wegen fehlender emotionaler und instrumenteller Hilfe subjektiv dramatisieren
(sog. „Buffering-Effekt“). Dagegen ist der Zusammenhang zwischen Depressivität und Erstauftreten respektive
Chronifizierung von Rückenschmerzen vielfach nachgewiesen. Dieser Zusammenhang existiert bereits für leichte
Formen der Depressivität und ist nicht auf psychiatrisch relevante Fälle begrenzt. Vermutet wird, dass ein
resultierendes passives Rückzugsverhalten eine Atrophie der Muskulatur sowie eine Wahrnehmungszentrierung und folglich
Schmerzen begünstige. Schneider S, Schmitt H, Zoller S, Schiltenwolf M (2005) Workplace Stress, Lifestyle and Social Factors as Correlates of Back Pain. A Representative Study on the German Working Population. Int Arch Occup Environ Health 78: 253-269 ---- Informationen für englischsprachige Besucher: English Summary of the Study: --- Aim: The medical and economic impact of back pain in terms of health care costs, lost work days, and early retirement is on the increase in Western industrialised nations. This paper investigates the prevalence of back pain in the German general population and the relationship between social factors, employment status and back pain. Subjects and methods: The first German Health Survey comprised a representative total sample of 6235 persons between the ages of 18 and 79. The relationship between back pain and social, lifestyle and workplace-related factors was investigated using multivariable logistic regression analyses. Results: The 7-day prevalence for back pain in Germany was found to be 36%, and the 1-year prevalence was 59%. The prevalence rates were significantly higher in women, lower socioeconomic classes, non-athletes, smokers and those who are overweight. Depressed mood and allergies co-occur with back pain more frequently than by chance. Conclusion: This study reports the first representative prevalence data for back pain, and its correlates and associations, for the German general population. Keywords: back pain, correlates, association, risk factors, prevalence |
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