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Warum leben Frauen länger?Warum sind Männer seltener krank?
 

Arthritis und Rheuma

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen stellen weit überwiegend chronisch verlaufende Autoimmunerkrankungen mit weitgehend unbekannter, vermutlich multifaktorieller Ätiologie dar. Die beiden häufigsten Krankheitsbilder sind dabei die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) und die Spondylarthropathien. Innerhalb einer im Journal „Rheumatology International“ publizierten Arbeit haben wir aktuelle und repräsentative Prävalenzdaten entzündlich-rheumatischer Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen innerhalb unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen ermittelt.
Ausgehend von einer Gesamtprävalenz von 3,4% für Erwachsene in Gesamtdeutschland sind Frauen demnach etwa doppelt so häufig wie Männer betroffen. Während bei unter 30-Jährigen nur jeder Hundertste eine solche Erkrankung aufweist, trifft dies bei über 70-Jährigen für jeden Sechzehnten zu. Untenstehende Abbildung verdeutlicht, dass dieser Altersgradient geschlechtsspezifisch verläuft: So verlagert sich die Krankheitslast etwa ab den Altersgruppen über 40 Jahren deutlich zu Ungunsten der Frauen.
Ebenso zu den hormonellen Einflüssen wird für Frauen die Kinderlosigkeit gezählt. Dazu ist in Abbildung 2 die Prävalenz einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung für kinderlose, erwachsene Frauen mit derjenigen der weiblichen Referenzgruppe mit mindestens einem Kind gegenübergestellt. Demnach weisen Kinderlose angesichts einer Arthritisprävalenz von 3,1% ein mehr als doppelt so hohes Erkrankungsrisiko auf als Frauen mit mindestens einem Kind (1,3%, p=0,008).
Das Erkrankungsrisiko ist zudem unter regelmäßigen aktiven Rauchern signifikant und unter gelegentlichen und ehemaligen Rauchern tendenziell höher als unter Personen, die nie geraucht haben: So weisen regelmäßige aktive Raucher angesichts eines Odds ratio von 1.50 ein 50% höheres Risiko auf als die Referenzgruppe der Nieraucher. Demgegenüber scheint weder zwischen Alkoholkonsum, noch zwischen Kaffee- und Teekonsum ein Zusammenhang mit dem Arthritisrisiko zu existieren (Tabelle 2). Ebenso zu den systemisch wirkenden Einflüssen werden Ernährungsgewohnheiten gezählt: Auch eine vegetarische Ernährung steht nach unseren Daten nicht mit der Prävalenz entzündlich-rheumatischer Erkrankungen in Zusammenhang. Dagegen zeigen unsere Berechnungen erstmalig, dass die Erkrankungsqoute in den neuen Bundesländern nachweislich signifikant geringer ist. Zuletzt belegen die Repräsentativdaten auch deutliche soziale und berufsbezogene Unterschiede in der Arthroserate: So ist der Anteil Betroffener in manuellen Berufsgruppen höher als unter Angestellten und Akademikern. Diese berufs- und tätigkeitsspezifischen Erkrankungsraten schlagen sich auch in den Bildungs- und Sozialschichtindikatoren nieder.
Unsere Arbeitsgruppe aus Medizinern, Biologen und Epidemiologen hat Details zu dieser Studie unter

Schneider S, Schmitt G, Richter W (2006) Prevalence and correlates of inflammatory-rheumatic disease in Germany - representative data from the First National Health Survey. Rheumatol Int, 27, 29-38 publiziert.


Abbildung 1: Prävalenz entzündlich-rheumatischer Erkrankungen für die Bundesrepublik Deutschland nach Alter und Geschlecht. Eigene Berechnungen, Daten nach: Erster Bundesgesundheitssuvey. n=6.460, 18-79 Jahre



---- Informationen für englischsprachige Besucher: English Summary of the Study: ---

Prevalence and correlates of inflammatory-rheumatic disease in Germany

Objective: The purpose of the study was to generate up-to-date, representative prevalence data for rheumatoid arthritis and spine disease in individual population subgroups and to identify potential risk factors.
Material and Methods: A cross-sectional study, the "First National German Healthy Survey", investigated the prevalence of arthritis, comorbidity and health-relevant behaviours in the post-unification German population on the basis of interviews with physicians and medical evaluations conducted in the period from October 1997 to March 1990. The study was based on a net sample comprising 6461 subjects aged 18 to 79.
Results: The prevalence of rheumatoid arthritis is significantly higher in women, the over-50s, lower-income groups, and habitual smokers. In women, childlessness is associated with a more than two times higher risk of disease. Arthritis patients have a higher incidence of numerous comorbidities such as gout, osteoporosis, thyroid disease, chronic bronchial disease, hypertension and elevated blood lipids versus healthy reference groups.
Conclusions: A period of 1.6 years expires on average before people with rheumatoid arthritis have their first contact with a rheumatologist or rheumatology centre (Zink). The corresponding figure for spondyloarthropathy is as high as 4.9 years. The data presented here may make basic epidemiologic data available to specialists and generalists and help to show physicians the comorbidities and correlates that should be considered in the diagnosis of arthritic subjects.
Keywords: arthritis, survey, epidemiologic determinants, risk factors, prevalence.

 
 
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