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Warum leben Frauen länger?Warum sind Männer seltener krank?
 

Begleiterkrankungen des Rückenschmerzes

In einer weiteren Publikation wurde mit 34 Krankheitsbildern die bis dato umfangreichste Analyse zum Thema „Rückenschmerz und Komordidität“ vorgelegt. Fragt man Deutsche nach einzelnen Erkrankungen, so geben 17.8% eine Diagnose, 17.4% zwei Diagnosen und 14.4% drei Diagnosen an. Ein Drittel (36.5%) aller Deutschen gibt mehr als drei Diagnosen an. Lediglich jeder Siebte (14.0%) gibt an, niemals an einer der 34 abgefragten Krankheiten gelitten zu haben.
Vergleicht man schmerzfreie Befragte mit der Rückenschmerzgruppe zeigt sich folgendes Bild: Unter den Schmerzpatienten geben 8% keine, 15% eine und 77% mindestens zwei Begleiterkrankungen an. Dagegen weisen diesbezüglich Schmerzfreie 18% keine, 20% eine und 62% mehr als eine Erkrankung auf (p<0.05).
Die Abbildung zeigt die zehn häufigsten Begleiterkrankungen von Rückenschmerz-Betroffenen:


Abb.: Lebenszeitprävalenz der zehn häufigsten Begleiterkrankungen von Rückenschmerz-Betroffenen im Vergleich zu Rückengesunden in % (Eigene Berechnungen zu: Erster Bundes-Gesundheitssurvey).


Quelle: Schneider, Mohnen et al. 2006.


Es fällt auf, dass Rückenschmerz-Betroffene und Rückengesunde weitgehend von denselben Krankheiten betroffen sind. Jedoch liegen die Werte für letztere deutlich niedriger. In Schneider, Mohnen et al. (2006) wurde ein detaillierter, geschlechtsspezifischer Vergleich der Prävalenzdaten vorgelegt. In beiden Gruppen sind, abgesehen von degenerativen Gelenkerkrankungen und Magenschleimhautentzündung, Frauen gesundheitlich stärker betroffen als Männer. Darüber hinaus zeigt sich für fast alle Krankheiten der bekannte Altersgradient, wonach die Beschwerdelast im höheren Alter deutlich zunimmt. Dies gilt allerdings nicht für die verschiedenen Formen erfasster Allergien, bei denen die Prävalenz in den jüngeren Altersgruppen am höchsten ist.
Dies verdeutlicht, dass zur Untersuchung unserer Fragestellung typische Geschlechtsunterschiede und Altersgradienten berücksichtigt werden sollten. Deswegen wurden im Rahmen einzelner logistischer Regressionsanalysen anhand der Odds ratios berechnet, ob die deskriptiven Unterschiede signifikant sind und um wie viel höher das Risiko für Rückenschmerz bei Vorliegen einzelner Krankheiten ist. Demnach gehen orthopädische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Osteoarthrose und Osteoporose am häufigsten mit Rückenschmerz einher, gefolgt von kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen (Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Durchblutungsstörungen des Gehirnes und des Herzens, Angina pectoris usw.). Für psychische Erkrankungen wie Psychosen, Depressionen und Suchterkrankungen (sowie für die nach ICD10 zu den somatischen Erkrankungen zählende Migräne) bestehen ebenfalls starke signifikante Zusammenhänge.
Rückenschmerz tritt außerdem selten als alleiniger isolierter Schmerz auf, sondern wird häufig von Schmerzen an weiteren Lokalisationen begleitet: So berichten Männer mit Rückenschmerz gleichzeitig zu 37% Nackenschmerz, zu 40% Schulterschmerz, zu 19% Hüftschmerz und zu 32% Knieschmerz. Männer ohne Rückenschmerz berichten diese Komorbiditäten lediglich zu 10%, 9%, 3% und 11%. Frauen mit Rückenschmerz geben an, gleichzeitig zu 56% auch an Nackenschmerz, zu 49% auch an Schulterschmerz, zu 20% auch an Hüftschmerz und zu 30% auch an Knieschmerz zu leiden. Die Vergleichwerte für die Frauen ohne Rückenschmerz liegen bei 21%, 16%, 5% und 12%.
Zusammen mit einer Psychologin, einer Soziologin sowie orthopädischen Schmerztherapeuten haben wir diese Forschungsarbeiten in folgenden internationalen Zeitschriften publiziert:

Schneider S, Mohnen S, Schiltenwolf M, Rau C (2006) Comorbidity of low back pain: Representative outcomes of a national health study in the Federal Republic of Germany. Eur J Pain, M: 387-397

Schneider S, Randoll D, Schiltenwolf M (2006) Why do women have back pain more than men despite less occupational stress and a healthier lifestyle? A representative prevalence study in the Federal Republic of Germany. Clin J Pain, 22:738-747

---- Informationen für englischsprachige Besucher: English Summary of the Study: ---


Comorbidity of low back pain

Background: Unlike other biopsychosocial risk factors, the role of comorbidity in low back pain is largely unknown.
Aims: The purpose is (1) to generate prevalence data on back pain in the total adult population and (2) to identify the most common physical comorbidities in subjects with back pain. This paper also (3) analyses the gender-specific and age-specific comorbidity structure.
Methods: The National German Health Survey is the first study to provide the basis for a representative nationwide analysis of back pain prevalence and the associated comorbidities. The net sample comprises a total of 7124 Germans aged 18 to 79.
Results: One in three Germans (34%) experienced back pain during the seven days prior to being interviewed. The one-year prevalence rate is 60%. All the morbidities investigated by us are more common in subjects with back pain than in individuals without back pain. The most common comorbidities associated with back pain are musculoskeletal disorders like rheumatoid arthritis, osteoarthritis and osteoporosis, followed by cardiovascular and cerebrovascular disease.
Conclusions: The present study investigating over 30 physical diseases is the most extensive analysis to date on the topic of back pain and comorbidity. This is an attempt to cast light on the tangled relationships involved in developing and coping with back pain. In view of the large percentage of unspecific back pain, we believe it is important for physicians treating back pain to extend their history and diagnostic analysis skills to embrace comorbidities related to the back pain.

 
 
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