Hochrisikoberufe für Rückenschmerz identifiziert
In Zusammenarbeit mit Orthopäden, Psychologen und Sozialmedizinern haben wir Hochrisikogruppen für berufsbedingten
Rückenschmerz identifiziert: Nach unseren Daten litt jeder dritte erwachsene Bundesbürger (36%) innerhalb
der letzten 7 Tage unter Rückenschmerzen. Die Ein-Jahres-Prävalenz beträgt 59%. Berücksichtigt man
ausschließlich Erwerbstätige, so beträgt die 7-Tage-Prävalenz für Rückenschmerz 34%,
die Ein-Jahres-Prävalenz 60%. Unser Blick galt berufsspezifischen Risikofaktoren des Rückenschmerzes, zuerst
Berufsgruppen mit unterdurchschnittlicher Schmerzbelastung, also einer 7-Tage-Prävalenz < 34,4%: In der Synopse
fällt auf, dass sich unter den gering belasteten Berufsgruppen vermehrt typische Akademiker- und Führungstätigkeiten
finden (Ingenieure, Ärzte, Apotheker, Unternehmer, Geschäftsführer, Marketingfachleute, Informatiker,
Schauspieler, Musiker, Pädagogen und Hochschullehrer). Nur einer von sechs Ingenieuren (16%) und nur einer von
fünf Ärzten (19%) von Rückenschmerzen in der letzten Woche vor der Studienteilnahme. Bei diesen Tätigkeiten
handelt es sich um Berufe des „tertiären Sektors“, welche gemäß dem Statistischen Bundesamt
als technische und dienstleistende Berufe klassifiziert werden (Berufscodes 60-93). Eine unterdurchschnittliche Schmerzprävalenz
weisen auch einige Berufe des „sekundären Sektors“, also Fertigungsberufe, auf. Als Beispiele seien
Prüfer, Kranführer, Floristen, Laboranten, Elektriker und Techniker genannt.
Für Berufe mit überdurchschnittlicher Schmerzbelastung (7-Tage-Prävalenz ? 34,4%) ist dagegen das Bewegen,
Tragen und Halten schwerer Lasten und/oder das Arbeiten in Rumpfbeugehaltung häufiger anzutreffen (Maurer, Betonbauer,
technische Meister, Drucker, Klempner, Installateure, Heizungsbauer, Monteure). Überdurchschnittliche Prävalenzangaben
haben aber auch Erwerbstätige aus dem Dienstleistungssektor gemacht: Im Gegensatz zu den Berufsgruppen mit meist
akademischen Zugangsvoraussetzungen finden sich dabei eher einfache Tätigkeiten (Lagerarbeiter, Möbelpacker,
Briefträger, Reinigungskräfte, Bedienungen, Hilfsarbeiter, Alten- und Krankenpfleger). Auch für diese
Berufe sind Arbeiten in unphysiologischen Körperhaltungen und/oder das regelmäßige Bewegen schwerer
Gegenständen bzw. der Umgang mit bettlägerigen Patienten nicht untypisch.
Abschließend haben wir die Bedeutsamkeit konkreter arbeitsplatzspezifischer Risikofaktoren für den Rückenschmerz
untersucht: Demnach sind körperlich anstrengende Tätigkeiten in einseitiger Körperhaltung sowie das Tragen
schwerer Lasten mit einem signifikant höheren Rückenschmerz-Risiko assoziiert. Erwerbstätige ohne diese
Belastungen klagen deutlich seltener über Rückenbeschwerden, was sich bei Männern in einer Differenz
von zwölf Prozentpunkten und bei Frauen von 13 Prozentpunkten ausdrückt. Auch Umgebungseinflüsse (wie
Lärm, Belastung der Atemluft durch Stäube, Gase und Dämpfe am Arbeitsplatz) scheinen mit dem Auftreten
von Rückenschmerz assoziiert zu sein. Nacht- bzw. Schichtarbeit und lange Arbeitszeiten gehen dagegen nicht mit
höherem Beschwerderisiko einher.
Detaillierte Auflistungen der Beschwerde- und Schmerzdaten für zahlreiche einzelne Berufe und Berufsgruppen finden
sich in folgenden Publikationen:
Schneider S, Lipinski S, Schiltenwolf M (2006) Occupations associated with a high risk of back pain: Representative
outcomes of a back pain prevalence study in the Federal Republic of Germany. Eur Spine J 15: 821-833
Schneider S, Schmitt H, Zoller S, Schiltenwolf M (2005) Workplace Stress, Lifestyle and Social Factors as Correlates
of Back Pain. A Representative Study on the German Working Population. Int Arch Occup Environ Health 78: 253-269
---- Informationen für englischsprachige Besucher: English Summary of the Study: ---
Occupations associated with a high risk of back pain: Representative outcomes of a back pain prevalence study in the
Federal Republic of Germany
Background: Given the increasing medical and economic implications of back pain, occupation-specific prevalence data
may provide important pointers for preventive programs targeted at promoting preventive behavior and improving conditions.
Material and methods: The National German Health Survey is the first study to provide the basis for a
representative nationwide analysis of back pain prevalence by occupational category. The net sample comprises a total
of 3488 earners aged 18 to 69.
Results: One in three earners in the Federal Republic of Germany (34%) experienced back pain during the
seven days prior to being interviewed. The one-year prevalence rate is 60%. Occupational categories associated with
a lower than average back pain prevalence are highly qualified professionals, senior management, and production occupations
associated with a comparatively low degree of manual labor. In contrast, an above-average prevalence was identified
for occupations associated with physically strenuous work involving one-sided postures, moving, carrying and holding
heavy weights, and work typically performed in poor conditions or bad weather.
Conclusion: Our data demonstrates significant inter-occupational differences in terms of exposure to back
pain. The results underline the importance of measures to promote preventive behavior and improve the working conditions
of those in low-skill manual labor occupations.